Senkt die neue HOAI die Baukosten?

Die HOAI (die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) ist 2009 neu gefasst worden. Ausgangspunkt war wieder einmal die Anpassung an Vorgaben aus Brüssel, mit dem Ziel die HOAI zu erhalten. Der Verordnungsgeber hat die Reform zusätzlich genutzt, um das Prinzip der Kosteneffiziens zu verstärken. Ist dies gelungen? In aller Regel, ist das Honorar des Architekten an die Kosten des Bauvorhabens gebunden. Man spricht von anrechenbaren Kosten.  Diese sind Grundlage der Honorarermittlung. Steigen die Kosten, erhält der Architekt ein höheres Honorar. An dieser Stelle bestehen damit häufig gegenläufige Interessen von Bauherr und Architekt. Zumindest hat der Planer kein originäres Interesse, gleichsam planungsbegleitend, ein Auge auf die Kosten zu haben.

Um Bauherren und Planer frühzeitig gemeinsam zu einer Übersicht von Kosten und Honorar zu führen, führt die HOAI 2009 zwei Modelle ein. Eine Möglichkeit ist das Kostenberechnungsmodell. Der Planer erstellt dabei eine Kostenberechnung,  die zur Berechnung seines Honorars dient und auch bei einer Änderung der tatsächlichen Kosten dafür zu verwenden ist. Wollen sich die Beteiligten diesen Aufwand ersparen, kann die Berechnungsgröße abstrakt gefasst werden, auf der Basis überprüfbarer Rahmenbedingungen für das Bauvorhaben. Auch hier ist der Architekt an den Anrechnungsbetrag gebunden.

Die Probleme dieser Berechungsmethoden liegen auf der Hand. Zu diesem frühen Zeitpunkt bei der Realisierung eines Bauvorhabens, insbesondere, wenn es umfangreich ist, kann schwerlich eine exakte Kostenberechnung erfolgen. Auch können Änderungen in der Planung dazu führen, dass die Bindung des Architekten an sein ursprünglich vereinbartes Honorar unbillig erscheint. Die HOAI sieht dafür eine Art gleitendes Anpassungsverfahren vor, was jedoch die Beteiligten eher belasten wird, als dass es der Findung des Honorars dient.

Unklar ist auch, wie zu verfahren ist, wenn sich schlicht die Kalkulation als unrichtig erweist.

Ein weiteres Problem ergibt sich, wenn ein Planer zu einem späteren Zeitpunkt beauftragt wird. Dies betrifft vor allem Spezialplaner, die nur mit Teilgewerken beschäftigt sind, oder bauüberwachende Funktionen ausüben.

Letztlich wirft das neue Modell auch Haftungsfragen für den Architekten auf. Wenn er im Vorfeld Berechnungen anstellt, liegt bei einem Abweichen davon der Vorwurf einer unrichtigen Kostenermittlung nahe. Schließlich wird durch die Vorverlagerung von Architektenleistung das Thema der Abgrenzung von Akquisition und Auftragserteilung neue Relevanz erfahren. Ob nämlich der Planer nach einer Kostenermittlung dafür eine Vergütung verlangen kann, wenn der Bauherr ihn nicht beauftragt, ist offen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.