Architektenhonorar: Anspruch und Wirklichkeit

Wird bei einer Baumaßnahme die Mitwirkung eines Architekten erforderlich, so ist auch dessen Honorar als Teil der Baukosten zu berücksichtigen. Wie bei den Bauarbeiten selber, hat der Bauherr auch gegenüber dem Architekten den Wunsch, gute Arbeit für eine angemessene Vergütung zu erhalten.  Bei der Bezifferung des Architektenhonorars, sind jedoch gesetzliche Vorgaben zu berücksichtigen. 

Die Höhe der Architektenvergütung richtet sich nach der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure). Die HOAI gibt Bezugsgrößen vor, die eine Honorarberechnung ermöglichen. Solche sind die Baukosten, die in Leistungsphasen aufgeteilten Arbeitsschritte von der Planung bis zur Abnahme, und verschiedene Honorarzonen, je nach Schwierigkeit der Anforderungen bei der Umsetzung der konkreten Baumaßnahme. Werden gesonderte Vereinbarungen nicht getroffen, geltend die Mindestsätze der HOAI.

Nun versuchen Bauherren in der Praxis häufig durch die Vereinbarung pauschaler Vergütungen, die deutlich höheren Honorare nach der HOAI zu umgehen. Viele Architekten lassen sich darauf ein, da ansonsten der Erhalt des Auftrags gefährdet und die Konkurrenz groß ist.

Die Frage nach der Rechtmäßigkeit einer solchen Pauschalvereinbarung wird immer dann relevant, wenn zwischen Bauherr und Architekt Streit entsteht und der Architekt unter Hinweis auf die Geltung der HOAI sein gesetzliches Honorar berechnet, was in aller Regel zu einer erheblichen Steigerung der Vergütung führt. Die Verdrei- oder Vervierfachung des pauschalisierten Honorars ist keine Seltenheit.

Der BGH (Bundesgerichtshof) hatte zunächst eine Rechtsprechung entwickelt, die dem Auftraggeber und Bauherrn einen Vertrauensschutz zubilligte. Ließ sich der Architekt danach auf eine pauschale Vereinbarung ein, so musste er sich auch daran festhalten lassen. Es widerspräche dem Grundsatz von „Treu- und Glauben“ erst ein bestimmtes Honorar zu akzeptieren, worauf sich der Bauherr auch einrichtet, um dann ein vielfaches zu verlangen.  Diese Rechtsprechung hat der BGH dann zu Beginn der 1990iger Jahre verlassen und es dem Architekten deutlich erleichtert, auch nach einer Pauschalvereinbarung ein Honorar nach der HOAI zu berechnen.

Dies ist allerdings dann kritisch zu betrachten, wenn die Beauftragung gerade durch die Anpreisung eines Pauschalhonorars durch den Architekten überhaupt erst zustande kommt. Hier folgen vor allem die Instanzgerichte häufig dem Begehr des Architekten, ohne sich ausreichend damit zu beschäftigen, dass eben auch der Bauherr Vertrauensschutz in ein redliches Vertragsgebahren genießt.

Im Ergebnis, muss sich ein Bauherr nach der aktuellen Rechtslage bei dem Abschluss eine Pauschalvereinbarung über das Honorar eines Architekten darauf einstellen, dass ihm am Ende doch eine Abrechnung nach der  HOAI präsentiert wird.

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